Eröffnung Friedensmahnmal Altenberg – Die Idee des Friedens ist unsterblich
Altenberg setzt ein Zeichen für Frieden: Aus einem Kriegerdenkmal wurde ein Ort des Erinnerns Unter dem Leitgedanken „Die Idee des Friedens ist unsterblich“ wurde am Samstag, 31. Oktober 2026, das neu gestaltete Friedensdenkmal am Marktplatz in Altenberg feierlich eröffnet und eingeweiht. Im Beisein zahlreicher Ehrengäste sowie vieler Bürgerinnen und Bürger nahmen der Zweite Nationalratspräsident und Vorsitzende des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, Peter Haubner, und Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer an der Feier teil.
Mit der Neugestaltung des bisherigen Kriegerdenkmals entstand im Herzen der Marktgemeinde ein zeitgemäßer Ort des Erinnerns, der Frieden, Menschlichkeit und gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt stellt. Das Projekt verbindet den respektvollen Umgang mit der Geschichte mit einem klaren Bekenntnis zu einer friedlichen und demokratischen Zukunft.
Erinnerung bewahren – neue Perspektiven eröffnen
Ziel des Projekts war es, einen offenen und würdigen Erinnerungsort zu schaffen, der zum Nachdenken anregt und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet.
Das bestehende Kriegerdenkmal wurde dabei nicht einfach entfernt, sondern behutsam umgestaltet und in einen neuen gesellschaftlichen und historischen Kontext gestellt. Neben dem Gedenken an die gefallenen Soldaten werden nun auch die benannten und unbenannten Opfer von Krieg, Gewalt und Gewaltherrschaft in die Erinnerung einbezogen.
Erstmals wird in Altenberg dabei auch ausdrücklich an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion T4 erinnert. Damit wird die Erinnerungskultur erweitert und bisher wenig beachteten Opfergruppen ein würdiger Platz im öffentlichen Gedenken eingeräumt.
Der Zweite Nationalratspräsident und Vorsitzende des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, Peter Haubner, betont die Bedeutung des neuen Mahnmals:
„Das Mahnmal in Altenberg steht beispielhaft dafür, wie wir Gedenken neu denken können. Indem wir uns unserer Geschichte stellen, unterschiedliche Perspektiven einbeziehen und gemeinsam Verantwortung übernehmen, schaffen wir einen Ort, der Erinnerung bewahrt und zugleich den Blick in die Zukunft richtet. Die Worte ‚Nie wieder Krieg‘ und ‚Nie wieder Faschismus‘ sind dabei mehr als ein Bekenntnis zur Vergangenheit. Sie sind ein Auftrag an uns alle, Frieden, Menschenwürde und unsere Demokratie zu verteidigen.“
Breiter Beteiligungsprozess und einstimmige Beschlüsse
Der Neugestaltung ging ein mehrjähriger, intensiver Beteiligungs- und Diskussionsprozess voraus. Vertreterinnen und Vertreter der politischen Gemeinde, der Pfarre, der Diözese, der Zivilgesellschaft sowie Expertinnen und Experten beschäftigten sich gemeinsam mit der Frage, wie Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert gestaltet werden kann.
Besonders bemerkenswert ist der breite Konsens, auf dem das Projekt beruht: Sowohl im Gemeinderat der Marktgemeinde Altenberg als auch im Pfarrgemeinderat wurde die Neugestaltung einstimmig beschlossen. Damit steht das neue Friedensdenkmal auch für die gemeinsame Bereitschaft, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und neue Wege des Erinnerns zu gehen.
Bürgermeister Mag. Michael Hammer unterstreicht die Bedeutung des Projekts:
„Dieses Projekt ist weit mehr als die Neugestaltung eines Denkmals. Es ist ein klares Bekenntnis zu Frieden, Demokratie und Menschenwürde. Wir möchten einen Ort schaffen, der Geschichte nicht nur bewahrt, sondern sie verständlich macht und zum Nachdenken anregt. Besonders wichtig war uns der breite Beteiligungsprozess, der gezeigt hat, dass Erinnerungskultur nur gemeinsam weiterentwickelt werden kann.“
Auch Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer würdigt die gemeinsame Auseinandersetzung mit der Geschichte und die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Pfarre und Zivilgesellschaft:
„Ich bin dankbar, dass es im Zuge der Ortsplatzgestaltung in guter Zusammenarbeit von Vertreter der politischen Gemeinde, der Pfarrgemeinde und der Zivilgesellschaft gelungen ist, das bestehende Kriegerdenkmal in einen neuen Kontext zu stellen. Leitend für die inhaltliche Auseinandersetzung, die hin zu einem Mahnmal für den Frieden führten, waren die Fragen: Wie kann ein zeitgemäßes Gedenken an die beiden Weltkriege aussehen? Welcher Opfer wird wie gedacht? Wie lässt sich vor dem Hintergrund eines veränderten Geschichtsverständnisses eine pietätvolle Erinnerungskultur formulieren? Und welche Bedeutung hat diese Form des Gedenkens angesichts aktueller Kriege?“
Besonders wichtig ist dem Bischof dabei die Erweiterung des Gedenkens um bislang nicht öffentlich gewürdigte Opfergruppen:
„Jede Veränderung oder Erweiterung eines Kriegerdenkmals ist nicht nur ein Gestaltungsprojekt, sondern das Ergebnis eines Prozesses der Reflexion und Bewusstseinsbildung. Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bleibt es Aufgabe der Verantwortlichen vor Ort, die historischen Ereignisse und die Menschen, deren hier gedacht wurde, zu thematisieren und die historischen Zusammenhänge aus heutiger Perspektive neu zu bewerten. Hier in Altenberg ist die Ergänzung um die Namen aller namentlich bekannten Opfer der NS-Euthanasie aus Altenberg besonders bedeutsam. Gemeinsam mit den bereits am Kriegerdenkmal angeführten Namen erhalten sie nun einen sichtbaren Platz im öffentlichen Gedenken.“
Zeitgenössische Kunst als Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart
Auf Grundlage des Beteiligungsprozesses wurde durch den Fachbereich Kunst der Diözese Linz ein geladener künstlerischer Wettbewerb durchgeführt. Ausgewählt wurde der Entwurf der beiden Künstler Hubert Lobnig und Moritz Matschke.
Ihr Konzept setzt auf eine behutsame Dekonstruktion und Neuanordnung der bestehenden Denkmalelemente. Durch gezielte Veränderungen, Ergänzungen und eine neue räumliche Gestaltung wurde das frühere Kriegerdenkmal in ein Friedensdenkmal überführt.
Im Mittelpunkt steht damit nicht mehr die Ehrung des Krieges, sondern das Gedenken an seine Opfer, die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und die Verantwortung für eine friedliche Zukunft.
Eine besondere symbolische Bedeutung kommt den historischen Erden zu, die einst von verschiedenen Kriegsschauplätzen gesammelt und im Inneren des ursprünglichen Denkmals aufbewahrt wurden. Beim Abbau des Denkmals kamen diese in beschrifteten Säcken in einem Hohlraum des Steins wieder zum Vorschein. In der neuen Gestaltung erhalten sie einen sichtbaren und würdigen Platz. Der Boden unter dem Denkmal bleibt bewusst unversiegelt – als Zeichen dafür, dass aus der Erinnerung an Krieg und Zerstörung neues Leben und Wachstum entstehen können.
Das künstlerische Konzept verbindet somit historische Substanz mit neuen Perspektiven auf Erinnerung und Verantwortung.
Diözesanbischof Manfred Scheuer sieht in Altenberg auch ein Beispiel für einen gelungenen künstlerischen und gesellschaftlichen Prozess:
„Viele Engagierte in Pfarren und Gemeinden haben in den vergangenen Jahren wichtige Schritte gesetzt und bestehende Denkmäler hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Gegenwart neu befragt. Das Projekt in Altenberg ist mit Blick auf den differenzierten Diskurs, der hier geführt wurde, die Einbindung von unterschiedlichen Beteiligten und Gruppierungen und der hohen künstlerischen Qualität ein besonders gelungenes Beispiel.“
Ein lebendiger Ort der Erinnerung und Bildung
Das neue Friedensdenkmal soll nicht nur ein Ort des stillen Gedenkens sein, sondern auch zur aktiven Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart einladen.
Wissenschaftliche Recherchen, begleitende Informationsmaterialien und eine Informationsstele mit QR-Code ermöglichen eine vertiefende Beschäftigung mit den historischen Hintergründen. Ergänzende Bildungs- und Informationsveranstaltungen sollen insbesondere auch jüngere Generationen ansprechen und den gesellschaftlichen Dialog fördern.
Damit wird das Denkmal zu einem lebendigen Lern- und Begegnungsort im Zentrum von Altenberg.
Ein Projekt mit Vorbildcharakter über die Gemeindegrenzen hinaus
Die Umsetzung erfolgte mit Unterstützung der LEADER-Region Sterngartl Gusental, des Zukunftsfonds der Republik Österreich sowie des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus.
Das Projekt verbindet regionale Identität, zeitgenössische Kunst, historisches Lernen und gesellschaftliche Verantwortung.
Leopold Eder, Obmann der LEADER-Region Sterngartl Gusental, und Geschäftsführerin Mag. Martina Birngruber heben die Bedeutung der Zusammenarbeit und den nachhaltigen Mehrwert für die Region hervor:
„LEADER unterstützt Initiativen, die Menschen und Organisationen zusammenbringen, neue Perspektiven eröffnen und innovative Ansätze für die Region entwickeln. Das Friedensdenkmal in Altenberg ist dafür ein gelungenes Beispiel: Durch einen breit angelegten Bürgerbeteiligungsprozess und die Zusammenarbeit mit der Diözese Linz und der Kunstuniversität Wien ist ein gemeinschaftlich getragenes Projekt entstanden. Auch die fachliche Auseinandersetzung war von großer Bedeutung: Organisationen wie die Kulturdirektion des Landes Oberösterreich, die Dokumentationsstelle Schloss Hartheim, das Bundesministerium für Inneres (BMI), das Bundesdenkmalamt (BDA) und das Mauthausen Komitee Österreich haben die Erarbeitung inhaltlich unterstützt. Das Projekt zeigt, wie durch Zusammenarbeit, Beteiligung und die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte ein nachhaltiger Mehrwert für die Region geschaffen werden kann.“
Durch die Verbindung eines breit getragenen Beteiligungsprozesses mit historischer Aufarbeitung und zeitgenössischer Kunst ist in Altenberg ein Erinnerungsort entstanden, der auch für andere Gemeinden Anregungen zur Weiterentwicklung bestehender Kriegerdenkmäler geben kann.
Ein Zeichen für die Zukunft
Mit der feierlichen Eröffnung des Friedensdenkmals setzt Altenberg einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung seiner Erinnerungskultur.
Das neue Mahnmal macht deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht nur dem Gedenken dient, sondern auch einen Auftrag für Gegenwart und Zukunft beinhaltet: Frieden, Demokratie und Menschenwürde sind keine Selbstverständlichkeit, sondern Werte, die immer wieder aufs Neue gelebt und geschützt werden müssen.
„Die Idee des Friedens ist unsterblich“ – dieser Leitgedanke soll künftig vom Marktplatz in Altenberg weit über die Gemeindegrenzen hinauswirken.
Kurzbiografien der Künstler
Hubert Lobnig
Hubert Lobnig studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Schwerpunkte seiner künstlerischen Arbeit sind Malerei, Zeichnung, Video, Fotografie sowie kontext- und ortsbezogene Projekte und Installationen im öffentlichen Raum. 1997 gründete er Tigerpark, eine Plattform für künstlerische und kuratorische Projekte. Er lebt und arbeitet in Wien und Mödring (Niederösterreich), ist Mitglied der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst Berlin (NGBK) sowie der Wiener Secession und Professor am Institut für Kunst und Bildung der Kunstuniversität Linz.
MMag. Moritz Matschke, PhD
Moritz Matschke studierte Bildende Kunst und Kunstvermittlung an der Kunstuniversität Linz. Als bildender Künstler und freischaffender Pädagoge entwickelt und begleitet er Bildungs- und Kulturprojekte in und um Wien. Als Senior Artist ist er am Institut für Kunst und Bildung der Kunstuniversität Linz tätig.
Fotokredit: Fotoclub Altenberg


