Altenberg setzt ein Zeichen für Frieden – Neues Mahnmal für den Frieden: Aus einem Kriegerdenkmal wird ein Ort des Erinnerns

Mit einem symbolischen Auftakt begann am Montag, 29. Juni, um 17 Uhr die Neugestaltung des Mahnmals für den Frieden am Marktplatz in Altenberg. Aus dem bestehenden Kriegerdenkmal im Zentrum des Marktplatzes entsteht in den kommenden Monaten ein zeitgemäßer Ort des Erinnerns, der den Frieden, die Menschlichkeit und die gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt stellt.

Ziel des Projekts ist es, einen offenen und würdigen Erinnerungsort zu schaffen, der zum Nachdenken anregt und die immanente Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft deutlich macht. Das bestehende Kriegerdenkmal wird dabei nicht entfernt, sondern behutsam umgestaltet und in einen neuen gesellschaftlichen Kontext gestellt. Damit setzen die Marktgemeinde Altenberg gemeinsam mit der LEADER-Region Sterngartl Gusental, dem Zukunftsfonds der Republik Österreich und dem Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus ein beispielgebendes Zeichen für eine zeitgemäße Erinnerungskultur.

Dem Projekt ging ein intensiver Beteiligungsprozess voraus, in dem gemeinsam mit der Pfarrgemeinde, der politischen Gemeinde und der Zivilgesellschaft die Frage diskutiert wurde, wie Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert gestaltet werden kann. Auf Grundlage dieses Prozesses wurde ein geladener Wettbewerb des Fachbereichs Kunst der Diözese Linz durchgeführt. Ausgewählt wurde der Entwurf der beiden Künstler Hubert Lobnig und Moritz Matschke.

Ihr Konzept sieht vor, das bestehende Kriegerdenkmal nicht zu entfernen, sondern durch eine behutsame Dekonstruktion und Neuanordnung der vorhandenen Elemente neu zu interpretieren. Ergänzungen, Erweiterungen und eine neue Kontextualisierung schaffen ein Denkmal, das nicht mehr dem Krieg, sondern dem Frieden gewidmet ist. Es ehrt sowohl die benannten als auch die unbenannten Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, macht vergessene Opfergruppen sichtbar und erinnert erstmals auch an Opfer aus Altenberg, die bisher keine öffentliche Würdigung erfahren haben. Unter dem neuen Denkmal bleibt der Boden unversiegelt. Den von möglichen Kriegsschauplätzen stammenden Erden wird ihre Funktion als Grundlage neuen Wachstums zurückgegeben.

Bürgermeister Mag. Michael Hammer betont die Bedeutung des Projekts: „Dieses Projekt ist weit mehr als die Neugestaltung eines Denkmals. Es ist ein klares Bekenntnis zu Frieden, Demokratie und Menschenwürde. Wir möchten einen Ort schaffen, der Geschichte nicht nur bewahrt, sondern sie verständlich macht und zum Nachdenken anregt. Besonders wichtig war uns der breite Beteiligungsprozess, der gezeigt hat, dass Erinnerungskultur nur gemeinsam weiterentwickelt werden kann.“

Auch Martina Gelsinger, Kuratorin im Fachbereich Kunst der Diözese Linz, unterstreicht die besondere Qualität des Projekts: „Das Projekt in Altenberg gilt als beispielhaft – sowohl für den partizipativen Prozess als auch für den sensiblen, ortsspezifischen künstlerischen Umgang mit dem bestehenden Denkmal. Statt Ehrung stehen heute Gedenken, Erinnern und Reflektieren im Mittelpunkt. Durch die Verwendung und Neuanordnung der einzelnen Teile des Denkmals eröffnen Moritz Matschke und Hubert Lobnig neue Perspektiven auf die Geschichte und regen zum Nachdenken und Austausch an. Kunst wird so zur Sprache der Erinnerung und leistet einen wichtigen Beitrag für die Gegenwart.“

Neben den Namen der gefallenen Soldaten werden künftig auch die benannten und unbenannten Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sichtbar gemacht. Erstmals wird in Altenberg zudem an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion T4 erinnert.

Ergänzt wird das Friedensdenkmal durch wissenschaftliche Recherchen, Informationsmaterialien, eine Informationsstele mit QR-Code sowie begleitende Bildungs- und Informationsveranstaltungen.

LEADER-Obmann-Stellvertreter Bürgermeister Thomas Wolfesberger und Geschäftsführerin Mag. Martina Birngruber betonen den nachhaltigen Mehrwert für die Region: „LEADER unterstützt Projekte, die neue Wege gehen und einen nachhaltigen Mehrwert für die Region schaffen. Das Friedensdenkmal in Altenberg verbindet kulturelles Erbe mit gesellschaftlicher Verantwortung und zeigt eindrucksvoll, wie Gemeinden Geschichte zukunftsorientiert vermitteln können. Dieses Projekt besitzt Vorbildcharakter weit über die Region hinaus.“

Die feierliche Eröffnung des neu gestalteten Friedensdenkmals findet am Samstag, 31. Oktober 2026, um 10.30 Uhr am Marktplatz in Altenberg statt.

Kurzbiografien der Künstler
Hubert Lobnig
Hubert Lobnig studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Schwerpunkte seiner künstlerischen Arbeit sind Malerei, Zeichnung, Video, Fotografie sowie kontext- und ortsbezogene Projekte und Installationen im öffentlichen Raum. 1997 gründete er Tigerpark, eine Plattform für künstlerische und kuratorische Projekte. Er lebt und arbeitet in Wien und Mödring (Niederösterreich), ist Mitglied der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst Berlin (NGBK) sowie der Wiener Secession und Professor am Institut für Kunst und Bildung der Kunstuniversität Linz.

Moritz Matschke
Moritz Matschke studierte Bildende Kunst und Kunstvermittlung an der Kunstuniversität Linz. 2024 promovierte er mit dem Projekt „Humanstorks tangled Tracks“. Als bildender Künstler, freischaffender Pädagoge und aktuell als Senior Artist ist er am Institut für Kunst und Bildung der Kunstuniversität Linz tätig. Seit 2019 arbeitet er im Vorstand des Bildungs- und Kulturvereins AREAL in Wien.

Fotokredit: Fotoclub Altenberg, Franz Traunmüller